Arbeitsagenturen sollen vor allem Kurzzeitarbeitslosen bei der schnellen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt helfen, sorgen aber oft für Frustration, wie eine aktuelle Analyse zeigt: Im bundesweiten Schnitt werden die Behörden der Arbeitsvermittlung mit gerade einmal 2,96 von fünf Punkten bewertet. Das haben wir in einem Vergleich von 704 Arbeitsagenturen in 683 deutschen Städten herausgefunden. Dabei wurden insgesamt 46.006 Google-Bewertungen ermittelt und die Durchschnittsbewertung der Städte mit mindestens 100 Bewertungen miteinander verglichen. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Standort.
Arbeitsagenturen
im Check: Diese Städte fallen bei den Bürgern durch

Schlechte Noten für Ämter
In diesen Städten fällt die Arbeitsagentur durch
Jobsuchende sind demnach besonders in einer Stadt unzufrieden mit dem Service der Arbeitsagenturen: Lediglich je zwei von fünf möglichen Punkten geben die Nutzer im Schnitt dem Standort im hessischen Fulda. Nur unwesentlich besser schneidet die Behörde für Jobsuchende im nahegelegenen Kassel mit einer Durchschnittsbewertung von 2,2 ab. Die gleiche Bewertung erhalten auch die Arbeitsagenturen im baden-württembergischen Ulm. Allein in sechs Bewertungen wird die Erfahrung mit dem Amt in der baden-württembergischen Stadt als “Katastrophe” bezeichnet.

Im bayerischen Traunstein bewerten die Behördengänger ihre Erfahrung bei der Arbeitsagentur mit durchschnittlich 2,3 von fünf Punkten, die gleiche Punktzahl weist die Agentur für Arbeit in Recklinghausen auf. Mit je 2,4 Punkten sorgen auch die Ämter im bayerischen Pfarrkirchen und im baden-württembergischen Waldshut-Tiengen für Unmut. Mit Oldenburg, Karlsruhe, Burbach, Siegen, Villingen-Schwenningen und Wittenberg schneiden sechs weitere Städte mit einer Durchschnittsbewertung von 2,5 ab.
Bemängelt werden besonders häufig die angeblich “inkompetenten Mitarbeiter”. Eine weitere Kritik, die sich über die Bewertungen aller Arbeitsagenturen zieht: die unzureichende Beantwortung von Mail- und Telefonanfragen. Seit diesem Monat hat die Bundesagentur für Arbeit den Mailverkehr eingestellt und möchte zukünftig auf Videokommunikation, Online-Terminvergabe und Kunden-Apps setzen. Ob das zu mehr Zufriedenheit unter den Jobsuchenden führt, bleibt offen.
Bevor der Frust beginnt: Arbeitsrechtliche Erstberatung nutzen
Wenn es hakt bei Mails und Terminen: Klären Sie lieber frühzeitig Ihre Rechte rund um Abfindung, Sperrzeit oder Zeugnis. Unsere Erstberatung hilft Ihnen dabei.
Düsseldorf vorn
In Düsseldorf sind Bürger zufrieden mit den Ämtern für Jobsuchende
Besser wird der Allright-Analyse zufolge hingegen die Arbeitsagentur in Düsseldorf bewertet: Mit einer Durchschnittsbewertung von 4,0 sichert sich die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt den Spitzenplatz im Vergleich – und das trotz vergleichsweise vieler Bewertungen für das Amt (495). Den Bewertungen zufolge punktet die Behörde vor allem dank kompetenter und sympathischer Mitarbeiter, die sofort weiterhelfen und alle Fragen in Ruhe beantworten. Im brandenburgischen Fürstenwalde geben Nutzer dem Standort im Schnitt 3,9 von fünf möglichen Punkten. Die Leistung der Behörde in Neuss bewerten Jobsuchende im Schnitt mit 3,6 Punkten.

Koblenz sichert sich mit einem durchschnittlichen Score von 3,5 Punkten den vierten Platz. Diesen teilt sich die Stadt in Rheinland-Pfalz mit den Behörden in Neumünster, Bochum, Oranienburg und Bernau. Damit landen gleich drei Städte aus Brandenburg in den Top Fünf. Bergisch Gladbach, Würzburg, Mülheim an der Ruhr und Neubrandenburg ergänzen die Topliste mit jeweils 3,4 von fünf möglichen Punkten. Die Ergebnisse der Arbeitsagenturen gehören in der Kategorie zwar zu den bundesweit besten, sind aber insgesamt bescheiden.
Analyse
Allright empfiehlt: Recht kennen, Ansprüche sichern – und Frust mit der Arbeitsagentur vermeiden
Die Auswertung der Google-Bewertungen zeigt deutlich: Viele Menschen fühlen sich im Kontakt mit den Arbeitsagenturen alleingelassen, schlecht beraten oder sogar respektlos behandelt. Diese Erfahrungen decken sich mit den Rückmeldungen, die Allright regelmäßig von Mandanten erhält.
„Gerade nach einer Kündigung ist die Situation für viele Betroffene ohnehin schon emotional belastend“, erklärt Paul Krusenotto, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Allright. „Wenn dann zusätzlich Unsicherheit bei der Beantragung von Arbeitslosengeld oder Unklarheiten im Umgang mit den Behörden entstehen, führt das schnell zu Frustration – und im schlimmsten Fall auch zu realen finanziellen Nachteilen.“
Oft sei nicht das System selbst das Problem, sondern die fehlende Kommunikation, mangelnde Erreichbarkeit oder der wenig empathische Umgang im Alltag der Behörde. Krusenotto warnt: „Wer seine Rechte nicht genau kennt oder zu spät handelt, riskiert, Ansprüche auf finanzielle Unterstützung nicht rechtzeitig geltend zu machen.“
Während privatwirtschaftliche Dienstleister wie Hotels oder Restaurants bei negativen Bewertungen schnell nachbessern müssen, fehlt es im öffentlichen Sektor häufig an strukturellem Veränderungsdruck. Genau das könne problematisch sein – denn gerade in existenziellen Lebenslagen ist eine verlässliche, klare und respektvolle Betreuung durch die zuständige Behörde essenziell.
Allright empfiehlt deshalb, sich frühzeitig arbeitsrechtlich zu informieren und gegebenenfalls Unterstützung einzuholen. So lassen sich wichtige Fristen wahren, Unsicherheiten im Umgang mit der Arbeitsagentur vermeiden und finanzielle Einbußen verhindern. Denn wer die eigenen Rechte kennt, geht selbstbewusster in die nächste Phase der beruflichen Neuorientierung – ohne unnötigen Ballast.
Datenerhebung
Das haben wir untersucht
Für den Vergleich wurden alle 704 Arbeitsagenturen (100) in Deutschland mit 46.006 Bewertungen ermittelt, die bei der Bundesagentur für Arbeit zu finden sind. Im Vergleich wurden alle Städte mit mindestens 100 Bewertungen berücksichtigt. Die Bezeichnungen der Institutionen auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit können leicht von der Bezeichnung auf Google abweichen. Bei doppelten Suchergebnissen wurde das Ergebnis mit mehr Bewertungen berücksichtigt (Stand der Erhebung: 22. Juli 2025).

Rechtliche Klarheit nach dem Jobverlust
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